Der Aufbau der Gemeinde

 

Die Stadt, die die Fundamente hat
Ein Wort über die Vision von Gottes Bauwerk in der heiligen Schrift

Was sagt die Bibel über das Ziel Gottes, das er mit seinen Kindern, das heißt mit allen wiedergeborenen gläubigen Christen hat? Die Worte der Bibel über das Ziel und den ewigen Vorsatz Gottes sind sehr wichtig, wenn wir den Sinn unseres Christenlebens verstehen wollen. Diese Verse sind so kostbar, dass wir immer wieder eine Erinnerung daran brauchen und eine Erneuerung unserer Sichtweise dafür. Wir müssen uns die Frage stellen: Was ist das Ziel, das Gott für mein Christenle-ben hat? Wofür bin ich und sind wir eigentlich hier? Warum sind wir gerade hier und nicht woanders? Es gibt auch andere christliche Gruppen, in denen die Bibel gelesen oder das Evangelium gepredigt wird. Wir brauchen eine Vision und eine Offenbarung von dem, was in Gottes Herzen ist. Und nur Gott selbst kann uns das geben. Einerseits ist Gott unsichtbar und hält sich verborgen. Andererseits möchte er sich den Menschen offenbaren, die ein Herz für ihn haben. Das zeigt uns die Bibel in klarer Weise. Wollen wir nicht zu diesen Menschen gehören, die ein offenes Herz für Gott haben? Ich möchte solch ein Mensch sein, dem Gott sich offenbaren kann.

Abrahams Vision

Abraham war solch ein Mensch. Die Bibel sagt, dass er ein Freund Gottes war. Vielleicht kennt ihr seine Geschichte: Er wurde von Gott berufen, aus seinem Land, aus seiner Verwandtschaft und aus dem Haus seines Vaters auszuziehen in ein Land, das Gott ihm zeigen wollte. In Hebräer Kapitel 11 Verse 8-10 lesen wir: "Durch Glauben gehorchte Abraham, als er berufen wurde, an einen Ort auszuziehen, den er zum Erbe empfangen sollte; und er zog aus ohne zu wissen, wo er hinkäme. Durch Glauben lebte er als Gast in dem Land der Verheißung wie in einem fremden und wohnte in Zelten mit Isaak und Jakob, den Miterben derselben Verheißung; denn er wartete auf die Stadt, welche die Fundamente hat, deren Baumeister und Schöpfer Gott ist."

Abraham ging aus von Ur in Chaldäa und lebte später an dem Ort, an den er ziehen sollte. Es sollte sein Erbe sein, hatte Gott gesagt. Abraham lebte dort jedoch wie in einem fremden Land. Und er wohnte dort nicht in einem Palast. Nein, er wohnte in Zelten, und zwar mit Isaak und Jakob, den Miterben derselben Verheißung. Dann aber heißt es in Vers 10: "Er wartete auf die Stadt, welche die Fundamente hat." Das klingt ungewöhnlich und geheimnisvoll. Was war das für eine Stadt, auf die Abraham wartete? War ihm das Zelt etwa zu unbequem? Nein, so banal war der Grund seines Wartens sicherlich nicht. Und wieso werden die Fundamente der erwarteten Stadt erwähnt, und zwar mit dem bestimmten Artikel "die"? Abraham muss etwas Besonderes gesehen haben, sonst würde es nicht heißen, dass er darauf wartete. Es ist interessant, hier in den griechischen Urtext zu schauen: Das Wort für „warten“ hat dort noch die Vorsilbe „ex“. Es handelt sich nicht um das Wort für ein gewöhnliches Warten, wie man z.B. an der Haltestelle auf den Bus wartet. Es handelt sich vielmehr um ein besonderes Warten, nämlich „heraus aus“ etwas, das man vielleicht mit „sehr warten“ oder „sehnsüchtig warten“ übersetzen kann. Es ist ein Warten voller Verlangen. In dieser Weise hat Abraham auf diese bestimmte Stadt gewartet. Woher hat er das, oder wie kam er darauf? Gott muss ihm etwas von dieser Stadt gezeigt haben und von dem Aufbau dieser Stadt, von dem, was auf Gottes Herzen ist. Schließlich war Abraham ein Freund Gottes. Was er gesehen hatte, hat ihn so sehnsüchtig warten lassen wie Gott selbst. Abraham wartete nur sehnsüchtig, weil Gott ebenfalls sehnsüchtig wartete.
Gottes Schöpfungswerk

Am Anfang hatte Gott ein Schöpfungswerk. Gottes Schöpfung war und ist wunderbar und sieht sehr schön aus für jeden, der Augen dafür hat. Gott hatte dieses Werk ganz allein geschaffen. Er hatte niemanden dafür gebraucht. Die Schöpfung war jedoch noch nicht sein Ziel. Sie war nur die Vorbereitung für Gottes eigentliches Werk. Gottes Ziel ist ein Bauwerk, eine Stadt. Gott möchte nicht in einem Park oder in einer Grünanlage wohnen. Sonst hätte der Bericht der Bibel bereits mit dem Garten Eden enden können. Die Bibel zeigt jedoch: Gott möchte eine Wohnung bekommen, ein Haus, eine Stadt, um darin zu wohnen. Was macht nun den Unterschied zu einem Garten aus? Eine Wohnstätte muss gebaut werden, und der Aufbau geschieht mit uns Menschen in unseren Herzen. Dieser Aufbau soll uns vor Augen sein, unsere Herzen regieren und unser Leben ausrichten, auch unser Glaubensleben. Warum kommen wir regelmäßig zusammen? Nicht nur, weil wir gute Versammlungen haben oder schöne Lieder zusammen singen wollen, sondern weil Gott den Wunsch hat, mit uns Menschen etwas Wunderbares zu bauen.

Ich möchte euch nun anhand einiger Verse im Alten Testament zeigen, wie die Bibel diesen Aspekt des Bauens an verschiedenen Stellen anspricht. Wir finden die erste Erwähnung schon ganz am Anfang der Bibel, nicht erst bei Abraham. Viele von euch kennen die Verse 10-12 aus dem ersten Buch Mose Kapitel 2:

Und ein Strom geht von Eden aus, den Garten zu bewässern; und von dort aus teilt er sich und wird zu vier Armen. Der Name des ersten ist Pischon; der fließt um das ganze Land Hawila, wo das Gold ist; und das Gold dieses Landes ist gut; dort gibt es Bedolach-Harz und den Schoham-Stein.

Gott zeigt uns hier einen Garten und einen Fluss. Das klingt erst einmal nach Natur. Es ist schön und erfreut das Herz. Doch dann werden drei Dinge erwähnt, die man nicht gleich mit einem Garten in Verbindung bringen würde: das ganze Land Hawila, wo das Gold ist, und weiter: das Gold dieses Landes ist gut; dort gibt es Bedolach-Harz und den Schoham-Stein. Gold ist ein Edelmetall und Letzteres ist ein Edelstein. Gott zeigt hier ganz unvermittelt bestimmte Materialien im Zusammenhang mit seinem Garten und dem Strom. Nennen wir diese Materialien einmal Baumaterialien, weil die Bibel sie hier nicht nur zufällig erwähnt. Wer die Bibel kennt, weiß, dass man diese Materialien später wiederfindet, und zwar insbesondere am Ende der Bibel, im Buch der Offenbarung.

Im ersten Buch Mose Kapitel 2 finden wir eine weitere Andeutung von dem, was Gott eigentlich vorhatte. Wir benötigen innere Augen und eine für Gott offene Herzenshaltung, um das zu erkennen und diese Stellen nicht einfach zu überlesen. In Kapitel 2 Verse 21-22 lesen wir, nachdem für Adam keine Gehilfin gefunden wurde, die ihm entsprach:

Da ließ Gott, der Herr, einen tiefen Schlaf auf den Menschen fallen, so dass er einschlief. Und er nahm eine von seinen Rippen und verschloss ihre Stelle mit Fleisch; und Gott, der Herr, baute die Rippe, die er von dem Menschen genommen hatte, zu einer Frau, und er brachte sie zum Menschen.

Bitte achtet auf die Wortwahl: Gott baute die Rippe, die er von dem Menschen genommen hatte, zu einer Frau. Das im hebräischen Urtext hier verwendete Verb heißt tatsächlich „bauen“. Manche übersetzen es mit „machen“. Das ist genau genommen jedoch nicht korrekt. Das hebräische Wort ist dasselbe wie für einen Turmbau. Eva wurde gebaut. Gott hat Adam eine Frau gebaut. Ist das nicht ungewöhnlich? Wir würden das in diesem Zusammenhang sicherlich nicht in solch einer Weise formulieren. Doch es offenbart ein wenig von dem, was Gott vorhatte. Gott möchte, dass wir die Bibel verstehen und sehen: Er hat etwas auf dem Herzen. Er möchte etwas bauen. Und zwar nicht nur eine Frau für Adam. Eva steht nur bildhaft für etwas noch viel Bedeutsameres.

Jakobs Erfahrung

Den nächsten Hinweis erhalten wir im Zusammenhang mit der Geschichte von Jakob in 1. Mose 28. Jakob musste vor seinem Zwillingsbruder Esau fliehen, denn er hatte ihn betrogen. Esau trachtete Jakob nach dem Leben. Daher musste Jakob vor seinem Bruder Esau fliehen. An einer Stelle, wo Jakob übernachten wollte, legte er sich auf einem Stein schlafen. Dort erschien ihm Gott im Traum. Er sah eine Leiter, die mit ihrer Spitze den Himmel berührte, und Gott redete wunderbare Worte zu ihm. Jakob wachte auf und sagte: Fürwahr, der Herr ist an dieser Stätte, und ich habe es nicht erkannt! Und er fürchtete sich und sagte: Wie furchtbar ist diese Stätte! Dies ist nichts anderes als das Haus Gottes, und dies die Pforte des Himmels (V. 16 f.). Dann stellte er den Stein, auf dem er geschlafen hatte, auf, salbte ihn mit Öl und nannte diesen Ort, der vorher anders hieß, Bethel, das heißt Haus Gottes. Wie kam er darauf, zuerst den Stein aufzustellen, und dann diesem Ort solch einen Namen zu geben? Er muss den Herzenswunsch Gottes durch seinen Traum berührt haben. Weil Gott ihm in diesem Traum seinen Herzenswunsch zeigte, nannte er diesen Ort „Haus Gottes“. Vermutlich hatte Jakob durch diesen Traum verstanden, dass Gott etwas bauen möchte. Gott geht es um ein Bauwerk und sein Haus. Das ist wunderbar. Es gibt im Alten Testament noch weitere Hinweise darauf.

Was hatte Mose Jahrhunderte später getan? Er kannte Jakob nicht persönlich. Mose hatte das Volk Gottes aus Ägypten herausgeführt, in die Wüste. Und was hatte Gott dort zu ihm gesagt? Er sollte dort ein Zelt bauen, damit Gott unter ihnen wohnen konnte. Dieses Zelt wird in der Luther Übersetzung „Stiftshütte“ genannt. Die Stiftshütte war das Zelt der Zusammenkunft. Sie war etwas Gebautes. Gott hatte zu Mose gesagt: Und sieh zu, dass du alles machst nach dem Bilde, das dir auf dem Berge gezeigt ist (2. Mos. 25:40).

 

Der Bau des Tempels

Später, als das Volk im Guten Land war, ging es Gott wieder um ein Bauwerk. Er zeigte David, welche Materialien dafür benötigt wurden. David sammelte diese Materialien, und sein Sohn Salomo baute dann den Tempel nach Gottes Plan. Es ist wunderbar, diese Linie zu sehen. Das Bauen geschah jeweils nicht um der schönen Gebäude willen, sondern damit Gott in der Mitte seines Volkes wohnen konnte. Gott möchte unter seinem Volk leben, wohnen und wandeln. Du fragst dich vielleicht: Warum müssen es Gebäude sein? Warum reicht Gott nicht ein schöner Garten, wie in Eden, mit viel Wasser und schönen Bäumen? Nein, Gott möchte, dass Menschen sein Haus bauen.

Hesekiels Offenbarung

Noch ein letztes Beispiel aus dem Alten Testament sei erwähnt, aus dem Buch Hesekiel. Hesekiel war ein Prophet, der ungefähr zur Zeit des Propheten Jeremia lebte. Auch Jeremia war ein Prophet in Israel, kurz bevor Jerusalem vollständig zerstört und das ganze Volk in Gefangenschaft weggeführt wurde. Zuvor gab es jedoch bereits verschiedene „kleinere“ Wegführungen. Hesekiel wurde schon als junger Mensch von Nebukadnezar nach Babylon weggeführt, da befand sich Jeremia noch in Israel. Nach einer gewissen Zeit in Babylon berief Gott Hesekiel zum Propheten, als er etwa 30 Jahre alt war. Hesekiel fing in Babylon an zu weissagen. Gott schenkte ihm Offenbarungen und gab ihm Visionen und Worte, die er reden sollte. Am Ende des Buches Hesekiel, ab Kapitel 40, berichtet er davon, dass Gott ihm eine Vision vom Tempel am Ende der Zeit gab. Und in Kapitel 48 dann, in den letzten Versen des letzten Kapitels, sprach Hesekiel von den Ausgängen einer Stadt. Er erwähnte dort einfach eine Stadt, ohne ihren Namen zu nennen. Erst ganz am Ende, in Vers 35, sagte er, wie sie heißt: Und der Name der Stadt heißt von nun an: Hier ist der Herr. Ein wunderbarer Name, der uns sofort an Jakobs Erfahrung erinnert. Jakob hatte in seinem Traum auch gemerkt: Hier ist der Herr. Und Hesekiel hatte dasselbe Empfinden, denselben klaren Eindruck. Wo diese Stadt ist, da ist der Herr. Das hatte er sich nicht einfach ausgedacht. Das hatte kein Mensch ihm verraten, auch nicht Jakob, Mose oder Abraham. Hesekiel besaß in Babylon wahrscheinlich nicht einmal eine Schriftrolle der fünf Bücher Mose. Er war ja ein Gefangener dort. Woher hatte er dann diese Sicht von dieser Stadt? Gott hatte es ihm offenbart. Das ist wunderbar.

Gottes Bau im Neuen Testament

Im Neuen Testament dann spricht der Herr selbst davon, dass er seine Gemeinde bauen will (vgl. Mt. 16:18). Und wenn wir ganz ans Ende der Bibel gehen, zum Buch der Offenbarung, lesen wir, was der Apostel Johannes schrieb. Er war der letzte damals noch lebende Jünger des Herrn und war auf der Insel Patmos gefangen. Er hatte vermutlich auch keine biblischen Texte zur Verfügung. Aber auch er empfing eine Offenbarung von Gott. Wir lesen in Offenbarung 21, in den Versen 10a und 14:
Und er brachte mich im Geist hinweg auf einen großen und hohen Berg und zeigte mir die heilige Stadt Jerusalem aus dem Himmel von Gott herabkommen, die hatte die Herrlichkeit Gottes. Und die Mauer der Stadt hatte zwölf Grundsteine und auf ihnen die zwölf Namen der zwölf Apostel des Lammes.

Ihr seht: Johannes hatte die gleiche Offenbarung. Wieder taucht hier die Stadt auf, die Gott bauen möchte und die von Ewigkeit her geplant ist. Das hat Johannes von keinem Menschen gehört. Gott hat es ihm gezeigt. Und diese Stadt müssen wir auch sehen. Gott muss sie uns offenbaren. Das kann kein Mensch uns beibringen. Du kannst die Bibelverse lesen und doch berühren sie dich vielleicht nicht. Aber du kannst den Herrn bitten: „Herr, diese Vision soll auch mein Leben regieren. Ich möchte mich dir hingeben für das, was du heute baust.“ Dann hat Gott einen Weg. Wir loben den Herrn für so viele Menschen, die schon an ihren Orten zusammen kommen und die den Wunsch haben Gottes Vorsatz zu kennen, seinen Plan zu verstehen und an seinem Werk mitzubauen. Abraham damals hatte noch einen kleinen Nachteil, verglichen mit uns heute: Es heißt, dass er auf die Stadt wartete. Für Abraham war es sozusagen noch Zukunftsmusik. Er konnte diese wunderbare Stadt nur von ferne sehen und grüßen (Hebr. 11:13). Er konnte jedoch noch nicht mitbauen. Das ist heute anders. Wir haben das Vorrecht, dass wir mitbauen dürfen.

 

Hebräerbrief Kapitel 12, Verse 22-23:
Vielmehr seid ihr zu dem Berg Zion gekommen und zu der Stadt des lebendigen Gottes, dem himmlischen Jerusalem, und zu Zehntausenden von Engeln, zu der Versammlung aller, und zur Gemeinde der Erstgeborenen, die in den Himmeln angeschrieben sind.

Es heißt hier nicht, dass ihr vielleicht eines Tages dorthin kommen werdet, wenn ihr irgendwann mal in den Himmel geht. Nein. Vielmehr seid ihr bereits zu dem Berg Zion gekommen und zu der Stadt des lebendigen Gottes. Das ist eine Tatsache, die schon geschehen ist. Wir sind heute in dieser Stadt und dürfen mit bauen an der Gemeinde der Erstgeborenen. Das ist kostbar. Was für ein Vorrecht!

Unser Leben als Christen hat ein Ziel. Dieses Ziel haben wir zwar noch nicht endgültig erreicht. Aber der Herr sehnt sich heute danach Menschen zu gewinnen, die auf diesen Aufbau hin ausgerichtet sind, die mit Gott zusammenarbeiten wollen und sich ihm dafür weihen.

Hebräerbrief Kapitel 11, ab Vers 14:
Denn die so etwas sagen, lassen klar erkennen, dass sie ein Vaterland suchen. Und wenn sie an jenes gedacht hätten, von dem sie ausgezogen waren, hätten sie ja Gelegenheit gehabt, zurückzukehren. Nun aber trachteten sie nach einem besseren, nämlich einem himmlischen; darum schämt sich Gott ihrer nicht und lässt sich als ihr Gott anrufen, denn er hat ihnen eine Stadt bereitet.

Uns hat Gott eine Stadt bereitet. Abraham damals musste noch warten. Wir heute dagegen können mit bauen. Das müssen wir schätzen. Gott hat etwas Besseres für uns heute bereitet. Das sagen auch die Verse 39-40:
Und diese alle, die durch den Glauben Zeugnis empfangen hatten, haben die Verheißung nicht erlangt, weil Gott etwas Besseres für uns zuvor ersehen hatte, damit sie nicht ohne uns vollendet würden.

Mit „diese alle“ sind die vorher aufgeführten alttestamentlichen Heiligen gemeint. In den Versen zuvor können wir nachlesen, was sie gelitten haben: Andere wurden zu Tode gefoltert und nahmen die Freilassung nicht an, damit sie eine bessere Auferstehung erlangten; andere aber wurden durch Spott und Geißeln geprüft, dazu durch Fesseln und Gefängnis. Sie wurden gesteinigt, zersägt, versucht, starben den Tod durch das Schwert … (Verse 35b-37a). Was ist das für ein starkes Zeugnis! Sie alle haben die Verheißung nicht erlangt, zumindest noch nicht, weil Gott etwas Besseres für uns vorgesehen hatte, damit sie nicht ohne uns vollendet würden.

Es gibt heute etwas Besseres, als nur die Verheißung von ferne zu grüßen. Der Hebräerbrief erwähnt den besseren Dienst, das bessere Opfer und den besseren Bund. Wozu dient all dieses Bessere? Es dient dem Aufbau des normalen und wahren Gemeindelebens, dem Aufbau der Stadt des Herrn. Darauf wartet der Herr heute. Wir können sicher sein, dass der Herr vor dem Vater für die Vollendung dieses Aufbaus der Gemeinde einsteht.

 

Die Fundamente

Ich möchte noch einen weiteren Punkt erwähnen. Warum sagt er in Hebräer 11 Vers 10 von der Stadt, auf die Abraham wartete, dass das die Stadt ist, „welche die Fundamente hat“? Wir verstehen, dass Gott der Baumeister und Schöpfer dieser Stadt ist. Aber warum wird so betont, dass die Stadt „die“ Fundamente hat? Ich habe diese Stelle extra noch einmal im griechischen Originaltext nachgelesen. Dort steht der bestimmte Artikel. Dazu sollte man vielleicht wissen, dass im Griechi-schen nicht bei jedem Substantiv immer ein Artikel steht. Wenn ein unbestimmtes Substantiv dasteht, z.B. eine Stadt, dann steht bei diesem Hauptwort oft gar kein Artikel. Aber hier steht tatsächlich: die DIE Fundamente hat.
Wieso DIE Fundamente? Welche Fundamente? Soll das heißen, dass die anderen Städte keine Fundamente hatten? Es gab zu Abrahams Zeit bereits feste Städte, auch wenn er selbst meist in Zelten lebte. Ur in Chaldäa beispielsweise, wo Abraham herkam, war eine bedeutende Stadt zur Zeit der sumerisch-chaldäischen Hochkultur. Die Häuser, Paläste und Mauern dort waren natürlich alle auf Funda¬men¬ten erbaut. Warum betont Abraham dann die Fundamente der Stadt, auf die er wartete, als ob sie etwas Besonderes oder gar Einzigartiges wären? In der Bibel ist jedes Wort bedeutsam, sei es auch noch so klein.

Die Bibel zeigt tatsächlich: Die Fundamente dieser Stadt sind die einzigen Fundamente, die vor Gott zählen und anerkannt werden. Auf diesen besonderen Fundamenten musste diese wunderbare Stadt aufgebaut werden. Wir als Christen können heute an dieser Stadt auf dem richtigen Fundament mitbauen. Was ist nun das Fundament, das vor Gott zählt und in Ewigkeit bleibt, auf dem ein Christ heute bauen muss?

Im 1. Korintherbrief Kapitel 3 Vers 11 lesen wir: Denn ein anderes Fundament kann niemand legen außer dem, das gelegt ist, welches ist Jesus Christus. Zuerst einmal ist Jesus Christus das Fundament eines jeden gläubigen Christen. Wer wirklich wiedergeboren ist, hat Jesus Christus als sein Fundament empfangen. Es gibt allerdings sogenannte Christen, bei denen darf im Gottesdienst jeder Besucher am Abendmahl teilnehmen, auch wenn er nicht wiedergeboren ist. Er muss nur Mitglied der Kirche sein. Das bedeutet, dass dem Bau das richtige Fundament fehlt. Wenn dann eine Erschütterung kommt, wird der Bau in sich zusammenfallen, weil das Fundament nicht Christus war.

Es gibt aber außer dem Fundament Christus noch ein weiteres Fundament, nämlich das Fundament der Apostel und Propheten. Davon spricht der Epheserbrief im zweiten Kapitel in den Versen 19-22:
So seid ihr nun nicht mehr Gäste und Fremde, sondern ihr seid Mitbürger der Heiligen und Glieder des Haushaltes Gottes, erbaut auf dem Fundament der Apostel und Propheten, da Christus Jesus selbst der Eckstein ist, in welchem der ganze Bau zusammengefügt wird und wächst zu einem heiligen Tempel in dem Herrn, in welchem auch ihr zusammen aufgebaut werdet zu einer Wohnung Gottes im Geist.

Wie passen jetzt diese beiden Bibelstellen über das Fundament zusammen? Christus als erstes Fundament ist die unterste Lage an Steinen, im Griechischen „themelion“ genannt. Dieses Fundament benötigt erst einmal jeder Mensch, um überhaupt gerettet und wiedergeboren zu sein. Auf diesem untersten Fundament dann stehen Menschen, die Christus in reiner Weise verkündigen, die Apostel und Propheten. Sie benötigten dafür keine tollen Bühnen-Shows, Wunderpräsentationen, große Events, Theater oder Ähnliches. Sie bauten nur auf Christus und mit Christus. Das wird dann als das Fundament der Apostel und Propheten bezeichnet. Darauf sollen auch wir bauen.

Am Ende der Bibel, im Buch der Offenbarung, Kapitel 21, Vers 14, lesen wir schließlich: Und die Mauer der Stadt hatte zwölf Grundsteine und auf ihnen die zwölf Namen der zwölf Apostel des Lammes.

Was die Apostel und Propheten von Christus verkündigten, war und ist fest und stabil. Darauf bauen wir heute auf. Das sind die Dinge, die wir annehmen und verkündigen. Wir müssen alles ausschließen, was sie nicht verkündigt haben. Lass alles weg, was die Apostel und Propheten so nicht verkündigt haben. Dann hast du etwas Stabiles, das richtige Fundament. Paulus sagt in 1. Korinther Kapitel 4 Vers 6: Damit ihr an uns lernt, nicht über das hinaus zu gehen, was geschrieben worden ist. Das, was geschrieben worden ist, wollen wir kennen und geistlich genießen, essen, trinken und dann verkündigen. Dann haben wir ein festes Fundament. Das ist der Weg, wie die Gemeinde hervorkommt, und zwar die Gemeinde, wie Gott sie haben will.

Manche sagen: Christus reicht mir. Sage das nicht. Es ist zwar schön, Christus zu haben, und es ist die erste Voraussetzung für den Aufbau der Gemeinde. Aber wenn du hier aufhörst, wirst du schnell in die Irre geführt vom Wind der Lehre und vom Trugspiel der Menschen (Eph. 4:14). Deshalb brauchen wir auch das Fundament der Apostel und Propheten. Lasst uns in das Wort hineingehen und den Herrn und seinen Willen für uns heute kennenlernen. Dann wissen wir, wofür wir uns hingeben können. Unser Herz verlangt danach und unser Geist schreit danach. Und dann kommt der Bau der Stadt hervor, wie Gott ihn wünscht. Das ist unsere wahre Heimat, die wahre Heimat für alle Gläubigen. Nur hier sind wir wirklich zuhause. Wir sind hier nicht zuhause, weil alle so nett sind oder wir uns alle so wohl fühlen. Das ist nicht entscheidend. Entscheidend ist, wo Gott zuhause ist. Gott wohnt nicht überall. Aber er wohnt da, wo auf dem Fundament der Apostel und Propheten mit Christus als dem Eckstein seine Stadt und sein Haus gebaut werden.