Gottes Plan und Gottes Ruhe
Schriftlesung: 1. Mose 1,26–2,3; 2,18–24; Epheser 5,22–32; Offenbarung 12,1–17; 21,1–22,5
Die obigen vier Schriftabschnitte zeigen uns vier Frauen. In 1. Mose 2 ist es Eva, in Epheser 5 die Gemeinde, in Offenbarung 12 die visionäre Frau im Himmel und in Offenbarung 21 die Braut des Lammes.
Möge Gott uns Licht darüber geben, was diese vier Frauen miteinander und mit seinem ewigen Plan zu tun haben. Dann wird es uns klar werden, welche Stellung die Gemeinde in Gottes Plan einnimmt, welche Verantwortung sie darin trägt und wie die Überwinder Gottes ewigen Vorsatz erfüllen.
Gottes Vorsatz bei der Erschaffung des Menschen
Warum hat Gott den Menschen erschaffen? Was war seine Absicht, sein Vorsatz, als er den Menschen erschuf?
Diese Frage beantwortet Gott uns in 1. Mose 1,26–27. Er offenbart uns hier zunächst einmal, dass er bei der Erschaffung des Menschen einen ganz besonderen Weg einschlug. Als Gott Licht brauchte, sagte er einfach: „Es werde Licht.“ Auch alle anderen Dinge im Universum sprach er auf diese Weise ins Dasein. Aber die Erschaffung des Menschen ging nicht so vor sich. Sie erforderte eine „Konferenz“ der Gottheit. Gott sprach:
„Lasst uns den Menschen machen nach unserem Bilde, nach unserer Gleichheit, die da herrschen über die Fische im Meer und über die Vögel unter dem Himmel und über das Vieh und über die ganze Erde und über alle Tiere, die auf der Erde kriechen.“ (V. 26)
Dies alles plante Gott in der göttlichen „Konferenz“, die er vor der Erschaffung des Menschen abhielt. Die Worte „Lasst uns …“ zeigen, dass innerhalb der Gottheit eine Beratung stattfand. Danach sehen wir, wie Gott sich den Menschen dachte, den er erschaffen wollte, und anschließend offenbart uns Vers 27, wie Gott den Menschen erschuf:
„Und Gott schuf den Menschen nach seinem Bilde, nach dem Bilde Gottes schuf er ihn; und schuf sie als Mann und Frau.“
In Vers 28 heißt es dann weiter:
„Und Gott segnete sie und sprach zu ihnen: Seid fruchtbar und mehrt euch und füllt die Erde und macht sie euch untertan und herrscht über die Fische im Meer und über die Vögel unter dem Himmel und über das Vieh und über alles Getier, das auf der Erde kriecht.“
Diese Verse zeigen uns den Menschen, wie er ursprünglich in Gottes Herzen war. Was Gott zufriedenstellen konnte, war ein herrschender Mensch, ein Mensch, der über diese Erde regierte. Zudem war es ein Mensch nach seiner Gleichheit und nach seinem Bild. Die „Gleichheit“ bezieht sich auf das Äußere und das „Bild“ auf das Innere. Gott wünschte, dass der Mensch ihm nicht nur äußerlich glich, sondern dass er auch innerlich sein Ebenbild war, dass er dasselbe empfand und dasselbe wollte wie er, dass er dasselbe Leben und dieselbe heilige Natur besaß. Der Mensch sollte ihm gleichen, so dass jeder, der dem Menschen begegnete, die Natur Gottes spüren konnte. Offensichtlich nimmt also der Mensch in Gottes Schöpfung eine einzigartige Stellung ein, denn unter allen Geschöpfen ist nur er nach Gottes Bild erschaffen. Der Mensch, nach dem Gottes Herz verlangte, unterschied sich dadurch von allen anderen Geschöpfen. Bei ihrer „Konferenz“ fasste die Gottheit also den Entschluss, solch einen Menschen hervorzubringen.
Merkwürdigerweise heißt es in Vers 26: „Lasst uns den Menschen machen nach unserem Bilde, nach unserer Gleichheit“, aber in Vers 27: „Und Gott schuf den Menschen nach seinem Bilde, nach dem Bilde Gottes schuf er ihn“. Das Fürwort für Gott steht in Vers 26 in der Mehrzahl, in Vers 27 dagegen in der Einzahl. Da es in Vers 26 hieß: „Lasst uns den Menschen machen nach unserem Bilde“, müsste es von der Grammatik her in Vers 27 heißen: „Und Gott schuf den Menschen nach ihrem Bilde.“ Aber Vers 27 beginnt mit den Worten: „Und Gott schuf den Menschen nach seinem Bilde“.
Woraus erklärt sich dieser Unterschied? Aus der Tatsache, dass nur einer in der Gottheit das „Bild“ hat, nämlich der Sohn. Als die Gottheit die Erschaffung des Menschen plante, sagte sie: „Der Mensch soll nach unserem Bilde erschaffen werden.“ (Da sie einer sind, können sie von „unserem Bilde“ sprechen.) Als Gott aber dann wirklich daranging, den Menschen zu schaffen, machte er den Menschen nach „seinem“ Bild – nach dem Bild des Sohnes. Dies zeigt uns, dass Adam nach dem Bild Jesu gemacht wurde. Jesus war eher da als Adam, nicht umgekehrt. Weil Adam nach dem Bild des Herrn Jesus erschaffen wurde, heißt es „nach seinem Bilde“ und nicht „nach ihrem Bilde“.
Gottes Vorsatz besteht darin, Menschen zu bekommen, die seinem Sohn gleichen. Diesen Vorsatz sehen wir auch in Römer 8:
„Denn welche er zuvor ersehen hat, die hat er auch vorherbestimmt, dass sie gleichgestaltet werden sollten dem Ebenbilde seines Sohnes, damit er der Erstgeborene sei unter vielen Brüdern.“ (V. 29)
Gott möchte viele Söhne haben, und all diese Söhne sollen seinem einen Sohn gleichen. Dann wird sein Sohn nicht mehr der Einziggeborene sein, sondern der Erstgeborene unter vielen Brüdern. Solch eine Gruppe von Menschen will Gott gewinnen. Wenn wir dies sehen, wird es uns klar werden, wie kostbar der Mensch ist. Wie hoch schätzt Gott den Menschen ein! So hoch, dass er sogar selbst ein Mensch geworden ist! Gott hat sich vorgenommen, den Menschen zu gewinnen. Wenn er den Menschen gewonnen hat, ist sein Plan erfüllt.
Durch den Menschen wird Gottes Plan erfüllt, und durch den Menschen bekommt Gott, was er braucht. Was für ein Werk erwartet Gott also von dem Menschen, den er erschaffen hat? Er erwartet, dass der Mensch herrscht. Er hat den Menschen nicht dazu vorherbestimmt, dass er fallen sollte. Wir sehen nicht in Kapitel 1, sondern erst in Kapitel 3, dass der Mensch fiel. Als Gott die Erschaffung des Menschen plante, bestimmte er den Menschen nicht zum Sündigen und zur anschließenden Erlösung.
Ich setze die Wichtigkeit der Erlösung nicht herab, möchte aber betonen, dass die Erlösung nicht für uns vorherbestimmt war. Sonst hätte der Mensch zwangsläufig sündigen müssen. Nach dem Plan, den Gott bei der Erschaffung des Menschen hatte, war der Mensch zum Herrschen bestimmt. Dies wird uns in 1. Mose 1,26 offenbart. Dort enthüllt Gott, wonach er verlangt und was das Geheimnis seines Planes ist: „Lasst uns den Menschen machen nach unserem Bilde, nach unserer Gleichheit, die da herrschen über die Fische im Meer und über die Vögel unter dem Himmel und über das Vieh und über die ganze Erde und über alle Tiere, die auf der Erde kriechen.“ Mit dieser Absicht hat Gott den Menschen erschaffen.
Vielleicht fragen manche, warum Gott gerade diesen Vorsatz gefasst hat. Der Grund liegt darin, dass ein Engel des Lichtes vor der Erschaffung des Menschen gegen Gott rebelliert hatte und zum Teufel geworden war. Satan hatte gesündigt und war gefallen; der „Morgenstern“ war zum Feind Gottes geworden (Jes. 14,12–15). Daher entzog Gott dem Feind die Autorität und legte sie in die Hand des Menschen. Gott hat den Menschen dazu erschaffen, dass er anstelle von Satan herrschen soll. Was für eine Gnade wird in der Erschaffung des Menschen offenbar!
Für die Herrschaft des Menschen hat Gott einen ganz bestimmten Bereich abgesteckt. Das sehen wir ebenfalls in 1. Mose 1,26, wo es heißt, dass die Menschen herrschen sollen „über die Fische im Meer und über die Vögel unter dem Himmel und über das Vieh und über die ganze Erde …“. Die „ganze Erde“ ist der Bereich, über den der Mensch herrschen soll. Gott gab dem Menschen nicht nur die Herrschaft über die Fische im Meer, die Vögel unter dem Himmel und das Vieh, sondern der Mensch sollte über die „ganze Erde“ herrschen. Die Erde ist der gottgewollte Herrschaftsbereich des Menschen. Wir stehen also in einer ganz besonderen Beziehung zur Erde.
Gott bereitete die Erde nicht nur als Lebensraum für den Menschen, den er erschaffen wollte, sondern sagte dem Menschen dann auch, er solle über sie herrschen. In den Versen 27 und 28 heißt es:
„Und Gott schuf den Menschen nach seinem Bilde, nach dem Bilde Gottes schuf er ihn; und schuf sie als Mann und Frau. Und Gott segnete sie und sprach zu ihnen: Seid fruchtbar und mehrt euch und füllt die Erde und macht sie euch untertan …“
Gott betonte hier, dass der Mensch die Erde füllen und sie sich untertan machen sollte. Es ist von zweitrangiger Bedeutung, dass dem Menschen die Herrschaft über die Fische im Meer, die Vögel unter dem Himmel und alle anderen Lebewesen übertragen wurde. Dies ist etwas Zusätzliches; das Eigentliche, worauf es ankommt, ist die Erde selbst.
In 1. Mose 1,1–2 heißt es: „Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde. Und die Erde war wüst und leer, und es war finster auf der Tiefe …“ Diese beiden Verse werden klarer, wenn wir unmittelbar auf den hebräischen Text zurückgehen. Nach der Ursprache heißt es in Vers 1: „Am Anfang schuf Gott die Himmel und die Erde.“ Das Wort „Himmel“ steht hier in der Mehrzahl, und damit sind die Himmel der Sterne gemeint. (Die Erde hat ihren Himmel, und ebenso haben die einzelnen Sterne ihren Himmel.) Vers 2 ist eigentlich so zu übersetzen: „Und die Erde ward (nicht ‚war‘) wüst und leer, und es war finster auf der Tiefe.“ Dieser Vers beginnt mit „Und“. Am Anfang schuf Gott die Himmel und die Erde, aber danach geschah etwas, und die Erde „ward wüst und leer“. Das Wort für „ward“ in unserer Übersetzung von 1. Mose 2 entspricht genau dem in 1. Mose 19,26, wo es heißt, dass Lots Frau zu einer Salzsäule „ward“. Lots Frau war nicht als Salzsäule geboren, sondern wurde erst später zu einer Salzsäule. Ebenso war die Erde nicht bei ihrer Erschaffung wüst und leer, sondern wurde es erst später. Gott erschuf die Himmel und die Erde, aber „die Erde ward wüst und leer“. Dies offenbart uns, dass sich auf der Erde ein Zwischenfall ereignet hat.
Die Erde ist der Brennpunkt aller Probleme. Die Erde ist das, worum Gott kämpft. In dem Gebet, das uns der Herr beten lehrte, heißt es: „Geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auch auf der Erde.“ Nach dem ursprünglichen Sinn bezieht sich die Wendung „wie im Himmel, so auch auf der Erde“ auf alle drei vorausgehenden Bitten, nicht nur auf die letzte. Gemeint ist: „Geheiligt werde dein Name – wie im Himmel, so auch auf der Erde. Dein Reich komme – wie im Himmel, so auch auf der Erde. Dein Wille geschehe – wie im Himmel, so auch auf der Erde.“ Dieses Gebet offenbart uns wiederum, dass die Schwierigkeiten mit der Erde zusammenhängen. Nach dem Fall des Menschen sprach Gott zur Schlange: „Auf deinem Bauche sollst du kriechen und Erde fressen dein Leben lang.“ Dies bedeutete, dass die Erde der Bereich der Schlange sein würde, der Bereich, wo sie herumkriechen konnte. Satans Wirkungsfeld ist nicht der Himmel, sondern die Erde. Soll das Reich Gottes kommen, dann muss Satan von der Erde vertrieben werden; soll Gottes Wille geschehen, so muss er auf der Erde geschehen; soll Gottes Name geheiligt werden, so muss er auf der Erde geheiligt werden. Es geht um die Erde.
Zwei sehr wichtige Begriffe im 1. Buch Mose sind „untertan machen“ in 1,28 und „bewahren“ in 2,15. Gott hat den Menschen dazu bestimmt, sich die Erde untertan zu machen und sie zu bewahren. Ursprünglich war es nur Gottes Absicht gewesen, dem Menschen die Erde als Lebensraum zu geben, den er zu bewahren hatte. Die Erde sollte nicht wüst oder leer werden (Jes. 45,18). Gott wollte durch den Menschen verhindern, dass Satan auf der Erde Raum gewann. Doch nachdem Satan hier auf der Erde ein Zerstörungswerk getan hatte, bestimmte Gott, dass der Mensch die Erde aus Satans Hand zurückgewinnen, dass er sich die Erde untertan machen soll.
Beachten wir auch, dass der Mensch nach Gottes Absicht nicht nur die Erde zurückgewinnen sollte, sondern auch den Himmel, der zur Erde gehört. Es gibt in der Schrift einen Unterschied zwischen den „Himmeln“ und dem „Himmel“. In den „Himmeln“ finden wir den Thron Gottes, dort übt Gott seine Herrschaft aus, aber mit dem „Himmel“ meint die Schrift manchmal den Himmel, der zur Erde gehört. Auch diesen Himmel möchte Gott zurückgewinnen (siehe Offenbarung 12,7–10).
Nun werden manche fragen: „Warum wirft Gott denn Satan nicht selbst in den Abgrund oder in den Feuersee?“ Das wäre Gott ein Leichtes, aber er möchte es nicht selbst tun. Gott möchte den Menschen gebrauchen, um seinen Feind zu richten, und er hat den Menschen auch mit dieser Absicht erschaffen. Das Geschöpf soll durch ein Geschöpf gerichtet werden.
Lesen wir 1. Mose 1,26 noch einmal:
„Und Gott sprach: Lasst uns den Menschen machen nach unserem Bilde, nach unserer Gleichheit, die da herrschen über die Fische im Meer und über die Vögel unter dem Himmel und über das Vieh und über die ganze Erde …“
Es hört sich so an, als sei der Satz hier zu Ende, aber dann wird noch etwas hinzugefügt: „… und über alle Tiere, die auf der Erde kriechen.“ Hier sehen wir, dass die Tiere, die „auf der Erde kriechen“, eine Sonderstellung einnehmen, denn Gott spricht von ihnen, nachdem er bereits die „ganze Erde“ genannt hat. Dadurch wird angedeutet, dass die kriechenden Tiere nicht übersehen werden dürfen, wenn der Mensch über die ganze Erde herrschen soll. Warum? Weil Gottes Feind in den kriechenden Tieren verkörpert ist. Zu diesen kriechenden Tieren gehören außer der Schlange in 1. Mose 3 auch die Skorpione in Lukas 10. Es gibt nicht nur die Schlange – ein Bild für Satan –, sondern auch die Skorpione – ein Bild für die sündigen und unreinen Geister. Die Erde ist der Bereich, wo sich sowohl die Schlange als auch die Skorpione aufhalten. Sie ist der Schauplatz aller Probleme.
Folglich müssen wir zwischen dem Werk des Seelengewinnens und dem Ziel Gottes unterscheiden. Oft geschieht das „Seelengewinnen“ nicht im Hinblick auf Gottes Ziel. Dass Seelen gerettet werden, löst das Problem des Menschen, aber Gott geht es darum, dass der Mensch seine Autorität ausübt und über alles Erschaffene herrscht. Gott braucht in seiner Schöpfung jemanden, der Autorität ausübt, und er hat den Menschen dazu erwählt, diese Autorität zu verkörpern. Wären wir nur für uns selbst hier, ohne diese Bestimmung, dann würde es genügen, wenn unser ganzes Sinnen und Trachten darauf gerichtet wäre, den Herrn mehr zu lieben und heiliger zu sein, mehr Eifer zu haben und mehr Seelen zu retten. All diese Bestrebungen sind gut, aber sie konzentrieren sich zu sehr auf den Menschen. Es geht dabei nur um unser eigenes Wohl, während wir das, was Gott tun will und was Gott braucht, vernachlässigen. Wir müssen sehen, dass Gott ein Bedürfnis hat. In unserem Leben auf dieser Erde sollen wir uns nicht nur um das kümmern, was der Mensch braucht, sondern mehr noch um das, was Gott braucht. Wir danken Gott, dass er uns den Dienst der Versöhnung aufgetragen hat, doch selbst wenn alle Seelen auf der ganzen Erde gerettet wären, hätten wir Gottes Werk noch nicht ausgeführt und Gott noch nicht zufriedengestellt. Bei der Erschaffung des Menschen sagte Gott, wonach er verlangte. Er machte klar, wozu er den Menschen brauchte. Der Mensch sollte Autorität ausüben und über all seine Geschöpfe herrschen. Es ist etwas Großes, dass wir für Gott herrschen sollen. Gott braucht Menschen, auf die er sich verlassen kann und die tun, was er von ihnen erwartet. Darauf zielt sein Werk ab, und das möchte er gewinnen.
Wir schätzen das Werk der Evangeliumsverkündigung nicht gering; aber wenn unsere ganze Arbeit nur darin besteht, das Evangelium zu predigen und Seelen zu retten, bringen wir Satan keine entscheidende Niederlage bei. Solange der Mensch die Erde nicht aus Satans Hand zurückgewonnen hat, ist die Absicht noch nicht erfüllt, die Gott bei der Erschaffung des Menschen hatte. Die Seelen werden oft nur um des Menschen willen errettet, das Gericht an Satan dagegen liegt vor allem in Gottes Interesse. Wenn Seelen errettet werden, trägt das der Situation des Menschen Rechnung, während das Gericht an Satan bedeutet, dass der Situation Gottes Rechnung getragen wird.
Geschwister, fasst dies nicht als eine „Predigt“ auf. Es geht um unser Tun. Und wir haben hier einen hohen Preis zu bezahlen. Wie uneingeschränkt und bedingungslos müssen wir dem Herrn gehorchen, wenn wir Menschen sein wollen, die Gott gebrauchen kann, um das ganze Werk und die ganze Macht Satans zu zerschlagen! Für andere Werke spielt es keine so große Rolle, ob wir innerlich noch irgendeinen Vorbehalt haben, aber wo es um Satan geht, können wir es uns nicht leisten, auch nur das Geringste für uns selbst zurückzuhalten. In unserem Bibelstudium, bei der Verkündigung des Evangeliums, beim Dienst in der Gemeinde oder für die Geschwister können wir vielleicht noch an irgendetwas festhalten, was aus uns kommt, aber wo es um das Gericht an Satan geht, müssen wir völlig aus unserem Selbst herauskommen. Einmal sagte ein Dämon: „Jesus kenne ich wohl, und Paulus ist mir bekannt; ihr aber, wer seid ihr?“ Was wird der Dämon tun, wenn er euch begegnet? Wird er fliehen? Es kostet ohne Zweifel etwas, wenn wir das Evangelium predigen wollen, aber noch viel höher ist der Preis, wenn Satan geschlagen werden soll. Möge Gott uns die Augen dafür öffnen, dass wir um seines Vorsatzes willen vollkommen und absolut für ihn da sein müssen. Ein Mensch, dessen Herz geteilt ist, kann Satan niemals richten. Möge Gott uns dieses Wort ins Herz sprechen.
Der unabänderliche Vorsatz Gottes
Gott wollte, dass der Mensch für ihn auf dieser Erde herrschte, aber der Mensch entsprach dem Vorsatz Gottes nicht. In 1. Mose 3 sehen wir, wie er fiel und wie die Sünde eindrang. Der Mensch geriet unter die Macht Satans, und es sah aus, als sei alles zu Ende. Satan schien der Sieger zu sein und Gott der Besiegte. Doch außer 1. Mose 1,26 haben wir in der Schrift noch zwei andere Abschnitte, die von der Herrschaft des Menschen sprechen, nämlich Psalm 8 und Hebräer 2.
In Psalm 8 wird uns gezeigt, dass Gottes Vorsatz und Plan sich niemals geändert haben. Auch nachdem der Mensch gefallen war, blieben Gottes Wille für den Menschen und seine Forderung an ihn genau dieselben. Das, was Gott in Genesis 1 wollte, als er den Menschen erschuf, gilt weiterhin, obgleich der Mensch gesündigt hat und gefallen ist. Psalm 8 wurde nach dem Fall des Menschen geschrieben, und doch war der Psalmist voller Lob. Seine Augen waren nach wie vor auf 1. Mose 1 gerichtet. Der Heilige Geist vergaß das erste Kapitel der Bibel nicht, der Sohn vergaß es nicht, und auch der Vater vergaß es nicht.
Betrachten wir den Inhalt von Psalm 8 im Einzelnen. Vers 2 lautet: „Herr, unser Herrscher, wie herrlich ist dein Name auf der ganzen Erde …!“ Alle, die vom Heiligen Geist inspiriert sind, werden solche Worte aussprechen: „Wie herrlich ist dein Name auf der ganzen Erde!“ Obgleich manche Menschen den Namen des Herrn verleumden und verwerfen, rief der Psalmist aus: „Herr, unser Herrscher, wie herrlich ist dein Name auf der ganzen Erde …!“ Er sagte nicht: „Dein Name ist sehr herrlich.“ Das hätte eine andere Bedeutung. „Sehr herrlich“ bedeutet, dass ich, der Psalmist, diese Herrlichkeit noch beschreiben kann. Aber „wie herrlich“ bedeutet, dass ich zwar Psalmen schreiben kann, aber keine Worte finde, um diese Herrlichkeit zum Ausdruck zu bringen, und dass ich auch nicht weiß, wie herrlich der Name des Herrn ist. So kann ich nur sagen: „Herr, unser Herrscher, wie herrlich ist dein Name auf der ganzen Erde“. Der Name des Herrn ist nicht nur herrlich, sondern er ist herrlich „auf der ganzen Erde“. Wir haben hier denselben Ausdruck wie in 1. Mose 1,26. Kennen wir den Plan Gottes, so wird unser Herz jedes Mal höher schlagen, sobald wir das Wort „Mensch“ oder das Wort „Erde“ hören.
In Vers 3 heißt es weiter: „Aus dem Munde der jungen Kinder und Säuglinge hast du eine Macht zugerichtet um deiner Feinde willen, dass du zum Schweigen bringst den Feind und den Rachgierigen.“ Die jungen Kinder und Säuglinge bezeichnen den Menschen. Hier wird also gezeigt, wie Gott den Menschen gebraucht, um den Feind zu richten. Jesus hat diesen Vers in Matthäus 21,16 zitiert: „Aus dem Munde der Unmündigen und Säuglinge hast du Lob zugerichtet.“ Diese Worte bedeuten, dass Gott trotz allem, was der Feind tut, gar nicht selbst gegen ihn vorgehen muss. Gott wird die kleinen Kinder und Säuglinge gebrauchen, um ihn zu schlagen. Was können kleine Kinder und Säuglinge tun? Es heißt in Psalm 8, dass der Herr aus dem Munde der jungen Kinder und Säuglinge eine Macht zugerichtet hat. Gott möchte Menschen gewinnen, die loben können. Die Menschen, die loben können, schlagen den Feind.
In den folgenden Versen sagt der Psalmist dann:
„Wenn ich sehe die Himmel, deiner Finger Werk, den Mond und die Sterne, die du bereitet hast: was ist der Mensch, dass du seiner gedenkst, und des Menschen Kind, dass du dich seiner annimmst? Du hast ihn wenig niedriger gemacht als Gott, mit Ehre und Herrlichkeit hast du ihn gekrönt. Du hast ihn zum Herrn gemacht über deiner Hände Werk, alles hast du unter seine Füße getan: Schafe und Rinder allzumal, dazu auch die wilden Tiere, die Vögel unter dem Himmel und die Fische im Meer und alles, was die Meere durchzieht.“ (Verse 4–9)
Wir hätten an dieser Stelle vielleicht in Klammern hinzugefügt: („Doch leider ist der Mensch gefallen und hat gesündigt und ist aus dem Garten Eden vertrieben worden. Nun kann er nicht mehr herrschen.“) Aber Gott sei Dank, dass der Psalmist keinen solchen Gedanken im Herzen hatte. Gott weiß, dass die Erde zurückgewonnen werden kann. Die Stellung, die Gott dem Menschen zugedacht hat, besteht weiterhin, und ebenso der Auftrag an den Menschen, die Werke des Teufels zunichte zu machen. Deshalb erzählt der Psalmist ab Vers 4 die ursprüngliche Geschichte – so, als hätte er keine Ahnung von 1. Mose 3. Dies ist das Besondere an Psalm 8. Gott hat sich vorgenommen, dass der Mensch herrschen soll. Ist der Mensch dessen würdig? Gewiss nicht. Aber da Gott den Vorsatz gefasst hat, dass der Mensch herrschen soll, wird der Mensch auch herrschen.
In Vers 10 wiederholt der Psalmist noch einmal: „Herr, unser Herrscher, wie herrlich ist dein Name auf der ganzen Erde!“ Er fährt unbeirrt mit seinem Lob fort. Adam und Eva haben zwar gesündigt, aber dies konnte Gottes Plan nicht vereiteln. Der Mensch kann fallen, er kann sündigen, aber er ist nicht in der Lage, den Willen Gottes zunichte zu machen. Selbst nachdem der Mensch gefallen war, blieb Gottes Absicht mit ihm dieselbe. Gott will nach wie vor, dass der Mensch das Gericht an Satan vollstreckt. Was für ein unwandelbarer Gott ist er! Sein Weg ist zielbewusst und gerade. Wir müssen erkennen, dass Gott niemals besiegt werden kann. In dieser Welt gibt es Menschen, die viele harte Schläge erhalten, aber keiner wird so wie Gott täglich angegriffen und geschlagen. Dennoch hat sich Gottes Wille niemals geändert. Wie Gott war, ehe der Mensch fiel, so ist er auch jetzt noch, nachdem der Mensch gefallen und die Sünde in die Welt gekommen ist. Sein Entschluss, den er vor dem Fall ausgesprochen hat, steht noch heute unwandelbar fest.
- Mose 1 spricht vom Willen Gottes bei der Schöpfung, Psalm 8 vom Willen Gottes nach dem Fall des Menschen und Hebräer 2 vom Willen Gottes in seinem Erlösungswerk. Kommen wir nun zu Hebräer 2. Dort werden wir sehen, dass Gott im Sieg der Erlösung noch immer dasselbe will: Der Mensch soll Autorität erhalten und mit dieser Autorität das Gericht an Satan vollstrecken.
Lesen wir in Hebräer 2 die Verse 5 bis 8a:
„Denn nicht den Engeln hat er die zukünftige Welt untertan gemacht, von der wir reden. Es hat aber jemand irgendwo bezeugt und gesagt: Was ist der Mensch, dass du seiner gedenkst, oder des Menschen Sohn, dass du ihn besuchst? Du hast ihn ein wenig unter die Engel erniedrigt; mit Herrlichkeit und Ehre hast du ihn gekrönt und hast ihn über die Werke deiner Hände gesetzt; alles hast du unter seine Füße getan“ (Zitat aus Psalm 8). „Denn indem er ihm alles untertan machte, hat er nichts ausgenommen, was ihm nicht untertan wäre.“
Alles soll dem Menschen untertan sein; das hat Gott von Anfang an geplant.
Allerdings ist das Ziel bis jetzt noch nicht erreicht. Der Schreiber fährt fort:
„Jetzt aber sehen wir noch nicht, dass ihm alles untertan ist; wir sehen aber Jesus, der wegen seines Todesleidens ein wenig unter die Engel erniedrigt wurde, mit Herrlichkeit und Ehre gekrönt“ (Verse 8b–9a).
Jesus ist derjenige, auf den diese Beschreibung zutrifft. Psalm 8 sagt uns, dass Gott den Menschen ein wenig unter die Engel erniedrigt hat, aber hier hat der Apostel für „Mensch“ den Namen „Jesus“ eingesetzt. Damit erklärt er uns, dass sich das Wort „Mensch“ auf Jesus bezieht. Jesus ist ein wenig niedriger als die Engel gemacht worden. Gott hatte von Anfang an geplant, dass der Mensch gekrönt werden und über seine ganze Schöpfung herrschen sollte. Es war seine Absicht, dass der Mensch an seiner Stelle alle Autorität ausübte, um den Feind von der Erde und aus dem zur Erde gehörenden Himmel zu vertreiben. Gott wollte, dass der Mensch die ganze Macht Satans vernichtete. Aber der Mensch fiel und nahm seinen Platz als Herrscher nicht ein. Deshalb ist Jesus gekommen, hat einen Leib von Fleisch und Blut angezogen und ist zum „letzten Adam“ geworden (1. Kor. 15,45).
Am Ende von Hebräer 2,9 heißt es, dass Jesus durch Gottes Gnade für alles den Tod schmecken sollte. Die Geburt des Herrn, sein menschliches Leben und sein Tod am Kreuz zeigen uns, dass er sein Erlösungswerk nicht nur für den Menschen vollbracht hat, sondern für alles Erschaffene (außer den Engeln). Jesus hatte eine zweifache Stellung: Für Gott war er von Anfang an dieser für die Herrschaft bestimmte Mensch, und für den Menschen ist er der Retter. Gott hat den Menschen von Anfang an dafür bestimmt, zu herrschen und Satan zu stürzen. Der Mensch, der diese Bestimmung erfüllt, ist Jesus, und er sitzt jetzt auf dem Thron. Der Herr sei dafür gelobt! Dieser Mensch hat die Macht Satans vernichtet. Er ist der Mensch, den Gott haben und gewinnen wollte. Andererseits ist er auch ein Mensch in Beziehung zu uns; er ist unser Retter, der an unserer Statt mit dem Problem der Sünde fertiggeworden ist. Wir haben gesündigt und sind gefallen, und Gott hat ihn zur Sühnung für uns gemacht. Zudem ist er auch für alle Geschöpfe gerichtet worden. Das sehen wir daran, dass der Vorhang im Tempel zerriss. Hebräer 10 sagt uns, dass der Vorhang (vor dem Allerheiligsten) den Leib des Herrn darstellt. In den Vorhang waren Cherubim eingewirkt, ein Bild auf die Geschöpfe. Als der Herr starb, zerriss der Vorhang in zwei Stücke, von oben bis unten, und infolgedessen wurden auch die eingewirkten Cherubim zerrissen. Dies offenbart uns, dass der Tod des Herrn das Gericht über alle Geschöpfe einschloss. Jesus hat den Tod nicht nur für jeden Menschen geschmeckt, sondern überhaupt für alles.
In Vers 10 lesen wir weiter:
„Denn es geziemte dem, um deswillen alle Dinge sind und durch den sie alle sind, indem er viele Söhne zur Herrlichkeit führte, den Herzog ihrer Errettung durch Leiden zu vollenden.“
Alle Dinge existieren um seinetwillen und durch ihn. Dass alles um seinetwillen da ist, bedeutet, es gehört ihm, und dass alle Dinge durch ihn sind, bedeutet, er hat sie hervorgebracht. Gott sei gelobt, dass er den Vorsatz, den er bei der Schöpfung hatte, niemals geändert hat! Was Gott bei der Erschaffung aller Dinge festlegte, das erhielt er unverändert aufrecht, nachdem der Mensch gefallen war, und auch in seinem Erlösungswerk bleibt sein Vorsatz derselbe. Nichts konnte Gott veranlassen, seinen Vorsatz zu ändern. Gott sei gelobt, dass er viele Söhne in die Herrlichkeit bringt! Er verherrlicht viele Söhne. Er hat sich vorgenommen, eine Gruppe neuer Menschen in der Gleichgestalt und nach dem Bild seines Sohnes zu gewinnen, und er gewinnt diese Menschen. Sie werden mit Jesus in die Herrlichkeit eingehen.
Wie wird dies vollbracht? In Vers 11 heißt es: „Denn sowohl der, welcher heiligt, als auch die, welche geheiligt werden, stammen alle von einem“. Wer ist derjenige, der heiligt? Es ist Jesus. Und wer wird geheiligt? Wir. Also können wir diesen Vers auch so lesen: „Denn sowohl Jesus, der heiligt, als auch wir, die wir geheiligt werden, stammen alle von einem“. Jesus und wir sind vom selben Vater gezeugt. Wir haben alle denselben Ursprung, dasselbe Leben, denselben innewohnenden Geist und denselben Gott, der unser Herr und unser Vater ist. „Aus diesem Grunde schämt er sich nicht, sie Brüder zu nennen“. Das Wort „er“ bezieht sich hier auf unseren Herrn Jesus, und „sie“ bezieht sich auf uns. Er schämt sich nicht, uns Brüder zu nennen, weil wir ebenso wie er vom Vater stammen.
Wir sind die vielen Söhne, die Gott in die Herrlichkeit hineinführt. Auch das Erlösungswerk hat Gottes Vorsatz nicht verändert; vielmehr dient es der Erfüllung dieses Vorsatzes, der durch die Schöpfung nicht erfüllt worden ist. Was Gott mit dem ersten Menschen, dem ersten Adam, nicht erreichen konnte, wird er mit dem zweiten Menschen, mit Christus, erreichen. Weil Gott den Menschen dazu bestimmt hat, zu herrschen und die Erde wiederherzustellen, und weil Gott festgelegt hat, dass das Geschöpf Satan durch ein anderes Geschöpf, nämlich den Menschen, vernichtet werden soll, geschah die Geburt in Bethlehem. Deshalb ist Jesus gekommen und ein Mensch geworden. Er wurde zu einem wahren Menschen. Der erste Mensch hatte Gottes Vorsatz nicht erfüllt, er hatte gesündigt und war gefallen. Er hatte nicht nur versäumt, sich die Erde untertan zu machen, sondern war sogar selbst unter Satans Gewalt gekommen. In 1. Mose 2 heißt es, dass der Mensch aus Erde gemacht wurde, und in 1. Mose 3, dass Erde die Nahrung der Schlange sein soll. Das heißt, der gefallene Mensch wurde zur Nahrung Satans. Der Mensch konnte Satan nicht mehr besiegen; er selbst war der Besiegte. Hieß das nun, dass Gott seinen ewigen Vorsatz niemals erfüllen und die Erde nicht mehr zurückgewinnen konnte? Keineswegs. Gott sandte seinen Sohn und ließ ihn Mensch werden.
Jesus ist wahrer Gott und ebenso auch wahrer Mensch. Es gibt in dieser Welt einen Menschen, der stets Gott erwählt, einen, der sagen kann: „Der Fürst dieser Welt … hat nichts in mir.“ Mit anderen Worten, in Jesus kann man keine Spur vom Fürsten dieser Welt finden. Beachten wir, dass Jesus nicht als Gott, sondern als Mensch auf diese Erde gekommen ist. Was Gott brauchte, war ein Mensch. Wollte Gott selbst den Satan schlagen, so wäre das sehr einfach; Satan wäre in einem Augenblick beseitigt. Aber es gefiel Gott nicht, dies selbst zu tun. Sein Wunsch war, dass ein Geschöpf das Geschöpf besiegte. Als Jesus Mensch wurde, erlebte er Versuchungen wie ein Mensch und ging durch alle Erfahrungen des menschlichen Lebens hindurch. Jetzt ist er zum Himmel aufgefahren und hat sich zur Rechten Gottes niedergesetzt. Dieser Mensch ist verherrlicht. Hebräer 2 zeigt, dass er nicht als Gott, sondern als Mensch Herrlichkeit empfangen sollte. Damit meinen wir nicht, dass er die Herrlichkeit Gottes nicht gehabt hätte, aber Hebräer 2 spricht nicht von der Herrlichkeit, die er als Gott hatte. Derselbe Jesus, der um des Todesleidens willen ein wenig unter die Engel erniedrigt wurde, ist mit Herrlichkeit und Ehre gekrönt. Unser Herr ist als Mensch aufgefahren. Er ist als Mensch in die Himmel eingegangen. In Zukunft werden noch viele andere Menschen dorthin kommen. Heute sitzt ein Mensch auf dem Thron, doch eines Tages werden viele Menschen dort sitzen. Das ist gewiss.
Nach seiner Auferstehung hat der Herr uns sein Leben gegeben. Wer an ihn glaubt, empfängt sein Leben und wird zu einem Sohn Gottes. Weil wir dieses Leben in uns haben, kann Gott uns als Menschen die Erfüllung seines Vorsatzes anvertrauen. Deshalb heißt es, dass er viele Söhne in die Herrlichkeit bringen wird. Herrschaft bedeutet Verherrlichung, und Verherrlichung bedeutet Herrschaft. Wenn die vielen Söhne die Autorität empfangen und die Erde zurückgewonnen haben, werden sie im Triumph zur Herrlichkeit gebracht.
Wir sollten niemals meinen, dass Gottes Vorsatz nur darin besteht, uns vor der Hölle zu erretten, damit wir die Segnungen des Himmels genießen können. Vergessen wir nicht, dass wir als Menschen so wie sein Sohn die göttliche Autorität auf der Erde ausüben sollen. Gott möchte etwas tun – aber nicht selbst, sondern durch uns. Wenn wir dieses Werk ausgeführt haben, ist Gottes Vorsatz erfüllt. Gott will eine Gruppe von Menschen gewinnen, durch die er auf der Erde herrschen kann.
Die Beziehung zwischen dem Erlösungswerk und dem Schöpfungswerk
Es ist wichtig, dass wir das Erlösungswerk und das Schöpfungswerk im richtigen Verhältnis sehen. Auf keinen Fall sollten wir meinen, die Bibel spreche von nichts anderem als von der Erlösung. Gott sei Dank, dass es neben der Erlösung auch die Schöpfung gab. Das Verlangen im Herzen Gottes kommt in seinem Schöpfungswerk zum Ausdruck. Hier werden sowohl sein Ziel als auch sein Plan und Vorsatz sichtbar. Das Schöpfungswerk offenbart uns Gottes ewigen Plan, es zeigt uns, was Gott wirklich haben will.
Wir sollten das Erlösungswerk nicht höher einschätzen als das Schöpfungswerk. Die Erlösung bringt das zurück, was Gott durch die Schöpfung nicht erreicht hat. Sie bringt uns nichts Neues, sondern stellt nur das wieder her, was uns bereits gehört. Durch die Erlösung führt Gott den Vorsatz aus, den er bei der Schöpfung hatte. Erlösung bedeutet, dass wiederhergestellt und zurückgewonnen wurde, Schöpfung dagegen bedeutet, dass etwas geplant und ins Dasein gerufen wurde. Die Erlösung ist später hinzugekommen, damit der Vorsatz, den Gott bei der Schöpfung hatte, erfüllt werden konnte. Ich wünschte, die Kinder des Herrn würden das Schöpfungswerk gegenüber dem Erlösungswerk nicht geringachten. Die Erlösung ist für uns da, weil sie uns rettet und uns ewiges Leben bringt. Die Schöpfung dagegen ist für Gott und für Gottes Werk da. Dass wir erlöst sind, kommt uns Menschen zugute, aber dass wir Geschöpfe sind, betrifft die Ökonomie Gottes. Möge Gott etwas Neues auf dieser Erde tun, so dass die Gläubigen nicht nur das Evangelium betonen, sondern sich darüber hinaus für Gottes Werk, Gottes Interessen und Gottes Plan hingeben. Für Nichtchristen sieht die Sache anders aus. Doch sobald wir Christen geworden sind, sollten wir nicht nur für unser eigenes Wohl die Erlösung genießen, sondern auch den Vorsatz erfüllen, den Gott bei der Schöpfung hatte. Ohne die Erlösung könnten wir gar nicht zu Gott kommen. Doch nachdem wir erlöst worden sind, sollten wir uns Gott hingeben, damit er mit uns das Ziel erreichen kann, für das er den Menschen ursprünglich erschaffen hat.
Konzentrieren wir uns allein auf das Evangelium, dann haben wir nur die eine Hälfte. Gott möchte auch die andere Hälfte haben, dass nämlich der Mensch für ihn auf der Erde herrscht und Satan von der Erde vertreibt. Auch diese Hälfte soll durch die Gemeinde erfüllt werden. Hebräer 2 zeigt uns, dass der Mensch nicht nur erlöst wird, um die Vergebung der Sünden und die Errettung zu empfangen, sondern dass er auch zu dem Vorsatz, der bei der Schöpfung zugrunde lag, zurückgebracht werden soll.
Man kann die Erlösung mit einer Talsenke vergleichen. Wenn man von einer Hochebene herabsteigt, um auf der anderen Seite weitergehen zu können, trifft man im Tal auf die Erlösung. Die Erlösung eines Menschen bedeutet einfach, dass er davor bewahrt wird, noch weiter abwärtszugehen, und dass er nach oben geführt wird. Einerseits ist Gottes Wille ewig und ganz geradlinig, ohne „Tal“: Gott will den Vorsatz erfüllen, der bei der Schöpfung bestand. Andererseits jedoch ist etwas geschehen. Der Mensch ist gefallen, er hat sich von Gott getrennt, und die Entfernung zwischen ihm und Gottes ewigem Vorsatz ist immer größer geworden. Gottes Wille ist von Ewigkeit zu Ewigkeit eine gerade Linie, aber der Mensch hat diese Linie nie mehr erreichen können, seit er gefallen ist. Gott sei Dank, dass es ein Heilmittel namens „Erlösung“ gibt. Die Erlösung bewahrt den Menschen davor, weiter abwärtszugehen. Nachdem ein Mensch erlöst worden ist, hat eine Veränderung stattgefunden, und er beginnt nach oben zu steigen. Wenn er immer weiter emporsteigt, erreicht er eines Tages wieder die gerade Linie. Wir erreichen diese Linie an dem Tag, an dem das Reich kommt.
Gott sei Dank für die Erlösung. Ohne sie würden wir immer tiefer sinken. Satan würde uns immer weiter nach unten ziehen, bis wir überhaupt nicht mehr aufsteigen könnten. Der Herr sei gelobt, dass die Erlösung uns zu Gottes ewigem Vorsatz zurückbringt. Was Gott mit seinem Schöpfungswerk nicht erreicht und was der Mensch durch den Fall verloren hat, wurde durch das Erlösungswerk vollständig zurückgewonnen.
Wir sollten Gott bitten, dass er uns die Augen für seinen Plan öffnet, so dass sich in unserem Leben und in unserer Arbeit wirklich etwas ändert. Besteht unser ganzes Werk nur darin, Menschen zu retten, dann haben wir versagt, denn damit können wir Gottes Herz nicht zufriedenstellen. Sowohl das Erlösungswerk als auch das Schöpfungswerk dienen dazu, dass wir die Herrlichkeit erlangen und alle Gewalt des Teufels zunichte machen. Lasst uns Gottes Liebe und Autorität verkündigen, wo wir die Sünde und den Fall des Menschen sehen, aber lasst uns gleichzeitig auch unsere geistliche Autorität gebrauchen und die Macht des Teufels vernichten. Die Gemeinde hat den zweifachen Auftrag, die Errettung in Christus und den Triumph Christi zu bezeugen. Einerseits soll die Gemeinde den Menschen die größte Wohltat erweisen, und andererseits soll sie Satan schlagen.
Gottes Ruhe
Die Erschaffung des Menschen unterschied sich von allem, was Gott vorher während der sechs Schöpfungstage tat. Sein ganzes sechstägiges Werk war die Vorbereitung dafür, dass schließlich der Mensch erschaffen wurde. Dies war Gottes Ziel. Gott musste dafür zunächst einmal die verwüstete Erde und den Himmel wiederherstellen. Gott erschuf den von ihm geplanten Menschen, nachdem er die verwüstete Erde und ihren Himmel wiederhergestellt hatte. Danach kam der siebte Tag, an dem Gott von allen seinen Werken ruhte.
Die Ruhe kommt nach der Arbeit. Erst muss gearbeitet werden, dann kann die Ruhe folgen. Außerdem muss das Werk zur vollen Zufriedenheit abgeschlossen sein, ehe man ruhen kann. Ist das Werk nicht vollständig und befriedigend fertiggestellt, dann können weder Kopf noch Herz ruhen. Wir sollten also die Tatsache, dass Gott nach sechs Schöpfungstagen ruhte, nicht gering bewerten. Wenn Gott ruhen kann, ist das etwas Großes. Ein bestimmtes Ziel musste erreicht sein, ehe er ruhen konnte. Am Ende von 1. Mose 1 sehen wir den Grund für sein Ruhen: „Und Gott sah an alles, was er gemacht hatte, und siehe, es war sehr gut.“
Ehe Gott am siebten Tag ruhte, hatte er ein Werk auszuführen. Und diesem Werk ging ein Vorsatz voraus. Römer 11 spricht vom Sinn des Herrn, von seinen Gerichten und seinen Wegen. Epheser 1 spricht von dem Geheimnis seines Willens, von seinem Wohlgefallen und seinem Vorsatz oder Ratschluss. Den ewigen Vorsatz Gottes sehen wir auch in Epheser 3. Die genannten Schriftstellen zeigen uns, dass Gott nicht nur ein wirkender Gott ist, sondern ein Gott, der sich etwas vornimmt und der plant. Als es ihm gefiel, zu arbeiten, ging er an die Arbeit. Er arbeitete, weil er arbeiten wollte. Als ihn sein Werk dann zufriedenstellte, ruhte er. Möchten wir Gottes Willen, seinen Plan, sein Wohlgefallen und seinen Vorsatz kennen, dann brauchen wir nur auf das zu schauen, was ihn zur Ruhe brachte. Wenn wir sehen, dass irgendetwas Gott zum Ruhen bringt, können wir wissen, dass er etwas erreicht hat, was er von Anfang an haben wollte. Auch der Mensch kann nicht ruhen, wenn er nicht zufrieden ist. Er muss bekommen, wonach er trachtet, und dann wird er Ruhe haben. Wir sollten die Ruhe Gottes nicht geringachten, denn sie bedeutet sehr viel. Gott ruhte in den ersten sechs Tagen nicht, aber am siebten Tag ruhte er. Seine Ruhe offenbart uns, dass er seinen Herzenswunsch erfüllt hatte. Er hatte etwas vollendet, was ihn glücklich machte. Deshalb konnte er ruhen.
In 1. Mose 1,31 heißt es: „Und Gott sah an alles, was er gemacht hatte, und siehe, es war sehr gut.“ Beachtet das Wort „siehe“ in diesem Satz. Was bedeutet es? Wenn wir etwas erworben haben, was uns ganz besonders befriedigt, betrachten wir es mit Wohlgefallen von allen Seiten und aus allen Richtungen. Das ist die Bedeutung dieses „siehe“. Gott warf nicht nur einen schnellen Blick auf das, was er gemacht hatte, um festzustellen, dass es gut war. Nein, er betrachtete das, was er gemacht hatte, und überzeugte sich davon, dass es sehr gut war. Gott hatte die Schöpfung vor sich und sah sie genau an. Das Wort „ruhte“ bringt zum Ausdruck, dass Gott zufrieden war und dass er sich an dem freute, was er geschaffen hatte. Es gibt zu verstehen, dass Gottes Absicht erreicht und alles zu seinem vollen Wohlgefallen ausgeführt war. Sein Werk war in der Weise vollendet, dass es nicht besser hätte gemacht werden können.
Aus diesem Grund hat Gott den Israeliten geboten, von Geschlecht zu Geschlecht den Sabbat zu halten. Gott hatte nach etwas getrachtet, was ihn zufriedenstellen sollte, und er hatte es erreicht. Deshalb ruhte er. Dies ist die Bedeutung des Sabbats. Das Entscheidende ist nicht, dass der Mensch nichts kaufen oder weniger Schritte gehen soll, sondern der Sabbat sagt uns, dass Gott erlangt hat, was er erlangen wollte. In Gottes Herzen war ein Wunsch, er wollte etwas haben, was ihn zufriedengestellte, und er musste ein Werk ausführen, um seinem Verlangen zu entsprechen. Jetzt, nachdem er sein Ziel erreicht hat, kann er ruhen. Es geht nicht um die Einhaltung eines bestimmten Tages, sondern darum, dass Gott seinen Plan erfüllt hat und dass sein Herz zufriedengestellt ist. Gott möchte zufriedengestellt werden, und er kann auch zufriedengestellt werden. Nachdem er das Gewünschte erlangt hat, ruht er.
Was aber brachte Gott zur Ruhe? Was stellte ihn so sehr zufrieden? In den sechs Schöpfungstagen waren das Licht und die Luft hervorgebracht worden, das Gras, die Kräuter und die Bäume, die Sonne, der Mond und die Sterne, die Fische, die Vögel, das Vieh, die kriechenden und wilden Tiere. Aber angesichts alles dessen konnte Gott noch nicht ruhen. Schließlich wurde der Mensch erschaffen, und danach ruhte Gott von allen seinen Werken. Das ganze Werk vor der Erschaffung des Menschen war nur eine Vorbereitung gewesen. Gottes ganzes Sinnen und Trachten richtete sich auf den Menschen. Nachdem er dann den Menschen hervorgebracht hatte, war er zufrieden und ruhte.
Lesen wir 1. Mose 1,27 und 28 noch einmal:
„Und Gott schuf den Menschen nach seinem Bilde, nach dem Bilde Gottes schuf er ihn; und schuf sie als Mann und Frau. Und Gott segnete sie und sprach zu ihnen: Seid fruchtbar und mehrt euch und füllt die Erde und macht sie euch untertan und herrscht über die Fische im Meer und über die Vögel unter dem Himmel und über das Vieh und über alles Getier, das auf der Erde kriecht.“
Stellen wir dann noch einmal 1. Mose 1,31 und 2,3 zusammen:
„Und Gott sah an alles, was er gemacht hatte, und siehe, es war sehr gut … Und Gott segnete den siebten Tag und heiligte ihn, weil er an ihm ruhte von allen seinen Werken, die Gott geschaffen und gemacht hatte.“
Gott hatte einen Vorsatz gefasst, und nur die Erfüllung dieses Vorsatzes konnte sein Herz zufriedenstellen. Am sechsten Tag war Gottes Vorsatz dann ausgeführt: „Gott sah an alles, was er gemacht hatte, und siehe, es war sehr gut …“ Und so ruhte er am siebten Tage von allen seinen Werken, die er gemacht hatte. Gottes Vorsatz und seine Erwartung waren erfüllt; nun konnte er von der Arbeit ablassen und ruhen. Seine Ruhe gründete sich darauf, dass der Mensch herrschen würde.
Watchman Nee
Übersetzt aus dem Englischen
Originaltitel “The Glorious Church”,
„Die herrliche Gemeinde: Kapitel 1“
ISBN 3-88083-930-1
Copyright The Stream Publisher 1968
Copyright der deutschsprachigen Ausgabe 1989
Verlag ›Der Strom‹ GmbH
Filderhauptstr. 61 C, D-70599 Stuttgart